Die Blumen der Elfen und Engel
Mythologie, Sagen und Legenden aus dem Reich der Pflanzen
Copyright Text und Bilder Anke Junginger
Viele Blumen stehen im Volksglauben in engen Zusammenhang mit den Elfen. In den alten Sagen hört man immer wieder, dass die Elfen Kontrolle über bestimmte Pflanzen haben. Elfen haben auch ihre Lieblingsblumen und es ranken sich allerlei Geschichten um das Zusammenspiel, denn damals war die Natur noch eine Welt voller Zauber und die Grenzen zwischen dem Reich der Elfen und der Welt der Menschen waren fließend.
Da die Elfen und Naturwesen so eng mit dem Pflanzenreich verbunden sind, verwundert es nicht, dass die Menschen davon ausgingen, dass Blumen und Bäume unter dem Schutz des Kleinen Volkes stehen. Wer nun mehr über die Naturwesen in Erfahrung bringen wollte, der hielt sich an die alten Sagen und suchte nach einem vierblättrigen Kleeblatt. Denn, so heißt es: Der vierblättrige Klee bringt Glück und führt uns zu den Elfen...
Alraune:
Die Alraune (Mandragora), umgangssprachlich auch Zauberwurzel genannt, zählt zur Familie der Nachtschattengewächse. Die Alraune ist wohl eine der geheimnisvollsten Pflanzen. Sie zählt zu den giftigen Heilpflanzen und ist schon seit der Antike für ihre Zauberkräfte bekannt. Die Alraune gilt als die klassische Zauberpflanze, die in vielen Märchen vorkommt. Einer der Gründe liegt sicher an der auffälligen Form der Wurzel, die an ein menschliches Wesen erinnert.
Christrose:
Die Christrose (Helleborus niger), auch als schwarze Nieswurz oder Schneerose bekannt, findet man im Volksglauben als zauberkräftige Pflanze. Die Christrose ist eine giftige Heilpflanze. Nicht umsonst nennt man sie auch Schneerose, da die ersten Blüten oft durch eine Schneedecke spitzen. Da die Christrose sehr früh blüht, manchmal schon zu Weihnachten trägt sie ihren Namen zum Gedenken an die Geburt Christi. So gilt die Pflanze vielen als heilig und man sprach ihr die Kraft zu, Böses zu vertreiben.
Elfenblume:
Die rote Elfenblume (Epimedium x rubrum) ist eine ganz zarte Pflanze, die den Boden bedeckt, und über dem Grün der Blätter kleine rosafarbene Blütenglöckchen zeigt. Von Mai bis April kann man die Blume, die nach den Elfen benannt ist, blühen sehen. Es ist eine Frühlingspflanze, die leicht und beschwingt wirkt und es lohnt sich, einmal ganz genau hinzusehen, ob sich zwischen den farbenprächtigen Blüten kleine Elfen versteckt haben. Die rote Elfenblume liebt lichten Schatten und ist eine Waldpflanze.
Farn:
Auch der Farn ist eine geheimnisvolle Pflanze, die in Zusammenhang mit den Elfen steht - es heißt, dass der Farn zu den Elfen führt...
Fingerhut:
Der Rote Fingerhut (Digitalis purpurea) mit seinen auffallenden Blüten zählt laut Sagen und Legenden zu den Pflanzen des Elfenvolkes. So glaubte man, dass die Elfen die wunderschönen rosafarbenen Blüten mit ihren roten Tupfen als Kopfbedeckungen und Hüte verwenden. In Irland schützte man sich in den alten Tagen mit dem Roten Fingerhut gegen den bösen Blick. Auch seine Heimat findet der Rote Fingerhut an Plätzen, wo sich die Elfen wohlfühlen: so wächst er sehr gerne in Wäldern entlang von Wegen und auf Lichtungen. Seine Farbe ist Rosa mit Purpurrot und seine Blüten-Glöckchen zeigt er von Juni bis August und er kann bis zu 150cm hoch werden.
In England und Irland nennt man den Roten Fingerhut auch „purple foxglove“, also Purpurner Fuchshandschuh. Man erzählte sich, dass die Elfen den Füchsen lernten, die Blumenglöckchen zu läuten um sich gegenseitig vor den Jägern zu warnen. Außerdem sollen sich die Füchse die Blüten über die Pfoten gestreift haben, um so auf leisen Sohlen die Hühnerställe unsicher zu machen. Die wildwachsende Pflanze galt vor allem im Mittelalter als magische Pflanze, die Schutz schenkt und die Verbindung zu den Elfen herstellt.
Geheimnisvoll und märchenhaft wirkt die Pflanze aber nicht nur durch diesen überlieferten Volksglauben, denn da es sich auch um eine hochgiftige Pflanze handelt, umgibt sie noch die Aura einer schaurigen doch wunderschönen Gefahr die den Tod bringen kann. Aber in der Medizin kennt man auch eine andere Seite des Roten Fingerhuts: hier gilt er richtig angewendet als Heiler, vor allem bei Herzproblemen.
Fingerhut tanzt im Wind,
die Glöckchen wiegen sich geschwind.
Von Elfen umgeben ist Magie nicht weit –
schenkst Schutz und Heilung,
doch auch den Tod zu mancher Zeit.
Dein purpurnes Kleid zeigt wer Du bist:
Versteckst Dich nicht, so leuchtend hell
und zeigst uns den Weg zu den Elfen ganz schnell.
- Blumengedicht Anke Junginger -
Glockenblume:
Auch die Glockenblume (Campanula) ist eine Pflanze, die ähnlich wie der Rote Fingerhut gerne als Kopfbedeckung für die Elfen dargestellt wird, manchmal tragen sie die Glöckchen aber auch als Röcke. Die blauen Blütenglöckchen sehen aber auch wirklich romantisch aus und es ist kein Wunder, dass diese hübsche Blütenform inspiriert.
Klee:
Der vierblättrige Klee bringt Glück und führt uns zu den Elfen...
Kreuzkraut:
Kreuzkraut und Kohlstiel galten vor allem in England als „Rösser der Elfen“.
Lilie:
Auch die Lilie (Lilium candidum), im Volksmund oft Madonnenlilie genannt, ist eine ganz besondere Pflanze. Im Christentum wird ihr eine hohe Symbolkraft zugesprochen, da sie sowohl als Symbol des Erzengels Gabriel gilt, auch als der reinen Liebe. So steht vor allem die weiße Lilie für Schönheit und Reinheit.
Mistel:
Die Mistel (Viscum album), umgangssprachlich auch Hexenfuß oder Hexenbesen, ein Halbschmarotzer der auf Bäumen wächst, ist ebenfalls in der Folklore als Zauberpflanze bekannt. Vor allem die Germanen glaubten an die übernatürlichen Kräfte der Pflanze. Auch die Druiden ernteten Mistelzweige mit goldenen Sicheln und man schätzte die magischen Kräfte der Zweige. Selbst heute ist die Mistel Teil eines alten Brauches und so hängt man die Mistelzweige zur Weihnachtszeit in die Wohnungen um seine Liebste darunter zu küssen.
Mohn:
Auch der Mohn (Papaver) gilt als magische Pflanze. Er steht in Zusammenhang mit Schlaf und Vergessen - so spürt man auch Elfenmagie beim Betrachten der schönen roten Blüten.
Nüsse:
Nüsse gelten als Transportmittel der Elfen – in den kleinen Nussschalen lassen sie sich auf Bächen und in ruhigen Seen dahintreiben. Eine romantische Vorstellung vom Reisen...
Salomonssiegel:
Schon der Name weist darauf hin, dass das Echte Salomonssiegel (lat. Polygonatum odoratum), eine geheimnisvolle Pflanze ist. Auch Wohlriechende Weißwurz genannt zählt die Pflanze zu den Maiglöckchengewächsen und stammt aus der Familie der Mäusedorngewächse (Ruscaceae). Das Salomonssiegel ist eine giftige Waldpflanze, die bis zu 70cm hoch wird. Von Mai bis Juni zeigen sich zwischen den üppigen Blättern kleine weiße hängende Blüten, die zart duften. Im Mittelalter glaubte man, dass die Pflanze Zauberkräfte besitzt. Das Rhizom ist aus Märchen und Sagen auch als „Springwurz“ bekannt und wer sie besitzt, kann angeblich versteckte Quellen entdecken und verschlossene Türen öffnen. Da König Salomon angeblich die Zauberkraft der Pflanze nutzte und die Bruchstellen der Vorjahrestriebe nach der Vernarbung wie Siegel aussehen erklärt sich der Name.
Schlüsselblume:
Die Schlüsselblume (Primula veris), im Volksmund auch oft Himmelsschlüsselchen genannt, wurde in England auch „Elfenkelch“ genannt. Die kleinen gelben Blüten an den langen Stilen erinnern wirklich an kleine Schlüssel, die uns Einlass gewähren in das Reich der Elfen. Die Schlüsselblume symbolisierte im Volksglauben Glück, Wohlstand und Schutz.
Sternmiere:
In Devonshire, in England, ließ man zum Beispiel die Echte Sternmiere blühen und rührte sie nicht an, da man die Rache der Elfen fürchtete. Es heißt die zarten weißen Blüten stehen unter dem Schutz des Elfenreiches.
Tulpe:
Tulpen bezeichnete man als Wiegen für Elfenbabys.
Kräuter und Elfen:
Auch die feinen duftenden Kräuter zählen zu den Lieblingen der Elfen – Kräuter schenken Heilung, die richtige Würze und Aroma. In den alten Zeiten waren Kräuter heilig – sie nehmen eine ganz besondere Stellung im Reich der Pflanzen ein. So heißt es in den alten Sagen und Mythen, dass vor allem der Wilde Thymian und der Rosmarin zu den Lieblingspflanzen der Elfen zählen.
Bäume der Elfen:
Der Glaube, dass die Bäume mystisch und sogar heilig sind, reicht weit in die Vergangenheit zurück. Man sprach ihnen sogar eine eigenständige Persönlichkeit zu – auch die Elfen haben eine ganz besondere Beziehung zu vielen Bäumen
Eiche:
Alte Märchen berichten vom Tanz der Elfen um Eichenbäume – ein beliebter Ort zum Feiern und zur Freude für das kleine Volk.
Holunder:
In Dänemark sagt man: Wer unter einem Holunder weilt in der Mittsommernacht, der sieht um Mitternacht den Elfenkönig mit all seinem Gefolge...
In Deutschland erzählte man von Zwergen, kleine Wesen, die eng mit den Bäumen verbunden sind.
Weißdorn:
Weißdorn, auch Feendorn genannt, galt vor allem in England als eine Lieblingspflanze der Elfen und so pflückte man keine Weißdornblätter, da man den Zorn der Elfen fürchtete. Man wusste, dass die Elfen diese Bäume schützen und liebten. Vor allem alte einsame Bäume auf moorigen Grund, ein bevorzugtes Elfengebiet, wurden gemieden, denn hier galt es als besonders gefährlich den Pflanzen Blätter zu rauben.
Viele Informationen über die Pflanzen und Blumen der Elfen finden sich in folgendem Buch: T.F. Thiselton Dyer, Folk-lore of Plants, 1889.
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